Gründung

 

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehren in unserer Gegend erfolgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst in den Städten, wie Kempten 1856, Memmingen 1860, danach in den damaligen Dörfern. Prinzregent Luitpold von Bayern wird an einem seiner Geburtstage 1900 als besonderer Förderer kleinerer Feuerwehren geehrt.

 

Die Freiwillige Feuerwehr Zell wurde am 28. Dezember 1890 gegründet. Dies geht aus dem Dienstbuch für unsere Feuerwehr in Zell hervor. Ein Protokollbuch ist erst ab 1931 vorhanden. Ob bereits früher ein solches geführt wurde ist nicht bekannt. Die Eintragungen im Dienstbuch beziehen sich nur auf den aktiven Bereich der Wehr. Über wesentliche Ereignisse im Vereinsleben ab 1931 wird an anderer Stelle berichtet.

 

Für das Jahr 1890 wurde folgender Bericht des damaligen Kommandanten Josef Hörberg geschrieben:

 

“Die Freiwillige Feuerwehr Zell, Bezirksamt und Feuerwehrbezirk Memmingen wurde gegründet am 28. Dezember 1890, dadurch dass Herr Bürgermeister Schalk, der jetztige Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr, an dem bezeichneten Tage eine Feuerwehrversammlung veranstaltete, wobei sich die Mehrzahl der anwesenden zum Beitritt bereiterklärte. Dieser Tag ist mithin als Gründungstag anzusehen. Am Gründungstag bestand die Feuerwehr aus 40 Mitgliedern. An Geräten waren vorhanden: 1 Löschmaschine, 1 Anstelleiter mit Stützstangen, 2 Haggen, 1 Schlauchhaspel, 120 mtr. Hanfdruckschläuche. An Mannschaftsausrüstung war vorhanden: 1 Kommandantenhelm und Gurt, 7 Steigermessinghelme, 7 Steigergurten mit Carabinerhaggen, 1 Signalhorn. Weitere Ereignisse sind in diesem Jahr nicht vorgekommen.”

1. Generalversammlung

Bei der ersten Generalversammlung nach der Gründung am 7. März 1891 wurden zum Beispiel von 33 anwesenden Mitgliedern gewählt:

 

Vorstand                                            

Matthäus Schalk

Commandant                                    

Josef Hörberg

Adjudant und Spritzenzugführer        

Anton Epp

Steigerzugführer                                

Philipp Weidle

Ordnungsmannschaftszugführer       

Anton Gregg

Kassier und Schriftführer                  

Georg Weichsler

1. Zeugwart                                       

Karl Bader

2. Zeugwart                                       

Josef Schwarz

Spritzenrottenführer                          

Xaver Schwarz

 

Bis 1913 fanden alle 3 Jahre, ab 1919 bis 1934 und ab 1949 bis 1980 alle 5 Jahre und seit 1980 Jahre alle 6 Jahre Wahlen statt.

 

Erste Jahre

 

Nach Gründung nahm die Anzahl der aktiven Wehrmänner stetig zu. Der Chronist berichtet 1891 von 37, 1894 von 59 und 1904 von 63 Aktiven. Der absolute Höchststand wurde 1934 mit 94 Aktiven erreicht.

 

Mit der steigenden Anzahl einher ging die Sorge mit der Beschaffung von ausreichendem Material. Am 25.08.1891 wurde aus Mitteln der königlichen Brandversicherungskammer 1 Steigerwagen mit Ausrüstung, 5 Steigermessinghelme, 5 Gurten mit Ringen, 5 Steigerseile und 5 Schlauchhalter zum Preis von 95,- Mark angeschafft. Aus Mitteln des Kreises und der Gemeinde wurde in den nächsten Jahren das Notwendigste besorgt. Nicht selten wurden freiwillige Spenden gesammelt um das Material schneller beschaffen zu können, weil die Gemeine fast immer finanziell überfordert war. Eine Feuerschutzabgabe wurde damals nicht erhoben.

 

Die ersten Einsätze hatte die FFW-Zell bei Bränden am 24.03.1892 in Woringen und am 27.09.1892 in Ziegelberg. Im eigenen Gemeindebereich zum ersten Male bewähren konnte man sich am 23.04.1893. Mit 30 Männer der eigenen und 124 Männer der Feuerwehren aus Niederdorf, Grönenbach, Dietradried, Wolfertschwenden, Woringen und Ziegelberg wurde der Brand bei Benedikt Lang in der Zeller Einöde Nr. 32 bekämpft. Das laut Protokoll um 23:30 Uhr durch Brandstiftung im Stadel entstandene Feuer vernichtete sämtliche Gebäude. Die Alamierung erfolgte in diesem Falle durch Hornsignal, sonst auch durch Feuerruf oder Glockensignal (Sturmgeläute). Bei den beiden Bränden 1903 (25.05. Reisacher Xaver Nr. 28 und 27.08. Fuchs Johann Nr. 29) wurde allgemein beklagt, dass 80 Jahre kein Brand im Ort Zell vorkam, im Jahr 1903 aber gleich 2 Brände.

 

 

Kriegsjahre

 

Im Jahre 1937 wurde das Feuerwehrwesen völlig neu geordnet. Gab es bis dahin Ordnungsmannschaft, Steigerzug, Schlauchleger, Spritzenzeug (Rotten) und Chargen (Dienstgrade), so hat die neue Einteilung bis heute Bestand. Durch eine Verfügung der damaligen Regierung wurden sämtliche freiwilligen Feuerwehren in Feuerpolizeien umgewandelt und unmittelbar der Ortspolizei unterstellt. Wehmütig erwähnt der Chronist an dieser Stelle, dass nin sein Dienst für immer beendet ist. Für die aktive Gruppe änderte sich jedoch nichts. Selbst während des Krieges wurde der Übungsbetrieb, wenn auch oft unter schwierigen Bedingungen (Männermangel, Bombenalarm) aufrechterhalten.

 

Am 23. November 1942 wurde eine neue Magirus Motorspritze in Betrieb genommen und am 24. Juli 1943 offiziell übergeben. Am 5. November 1944 wurde der ganze Löschzug nach Kronburg zum Volksturm aufgerufen. Somit war man gezwungen, die Damenwelt als Ersatz zum Löschzug in 2 Gruppen einzuteilen und auszubilden.

 

Im Frühjahr 1945 kam beim Einrücken der Besatzungstruppen der Feuerwehranhänger, Werkzeug und sonstiges Gerät abhanden. Jegliches Suchen und Nachfragen blieb zwecklos. So war die Feuerwehr längere Zeit nicht einsatzbereit. Als eine Feldscheune brannte, war wegen Feindbeschuss an eine Löschtätigkeit nicht zu denken. Von Juli bis Oktober 1946 wurden von der Feuerwehr Nachtwachen für Feld und Flur wegen Diebstahl aufgestellt.

 

Inspektionen

 

Wichtige Ereignisse waren für die Feuerwehren die in der Regel alle 3 Jahre durchgeführten Inspektionen. Bei 20 Inspektionen von 1891 bis 1949 mussten alle Mann antreten und ihr Können am Gerät unter Beweis stellen. In der Bemerkung zur Inspektion 1912 steht von Bezirksvertreter Hebel:

 

"Der freiwilligen Feuerwehr bestätigt der Vertreter gerne, dass dieselbe immer wieder zeigt, dass jeder einzelne Mann den grössten Eifer an den Tag legt und zu den bestgeschulten des Bezirkes zählt.”

 

Nach 1949 beschränkte sich die Inspektion nur noch auf das Gerät, weil mit dem Ende des Krieges die Wende zum nichtmilitärischen Stil vollzogen wurde, welcher bis dahin sehr starken Einfluss auf die Feuerwehren hatte. In den vielen Inspektionsberichten wurde ausdrücklich erwähnt, dass das Kommando in sehr guten Händen liegt und immer wieder verantwortungsbewusste Männer bereit waren, Führungsaufgaben zu übernehmen.

 

Nachkriegsjahre bis Heute

 

Die Jahre 1950-1959

 

Am 26. Juli 1950 fuhren Bügermeister Sepp und Max Jörg mit dem schnellen Fahrzeug von Jakob Lichtensteiger nach Ulm zu Magirus, um den neuen Feuerwehrwagen mit Motorspritze abzuholen. Damit war die FW wieder voll einsatzfähig. 1952 lösten 2 Handsirenen das Signalhorn zur Alamierung ab. Damit fand die Aufgabe der Signalisten (Immerz Blasius, Riegg Anton, Schönauer Konrad, Mendler Josef, Geiger Wilhelm und Stiegeler Max) ein Ende.

 

Kommandant Jörg konnte am 6. Dezember 1953 aus der Hand von Bürgermeister Sepp den Schlüssel für das neue Feuerwehrhaus in der neuen Schule entgegen nehmen. Das alte “Spritzenhaus” in der Kiesgrube an der Strasse nach Dießlings hatte damit ausgedient. Leider ist dieses mit keinem Wort weder im Dienstbuch noch im Protokollbuch erwähnt. Ein Foto ist auch nicht vorhanden. Nach den schon damals geführten Diskussionen über die Notwendigkeit eines Schlauchturmes wurde 1959 ein Schlauchtrocknungsapparat in Betrieb genommen.

  

Die Jahre 1960-1979

 

Anlässlich einer Geräteprüfung wurde die Motorspritze für untauglich erklärt. Von der komplizierten Magnetentzündung spricht man heute noch. Die im Jahre 1963 angeschaffte Bachert-Pumpe mit VW-Motor ist noch im Betrieb.

 

Erstmals legte 1963 eine Gruppe unter Kommandant Engel das Feuerwehrleistungszeichen mit Erfolgt ab. Bis zum heutigen Tage hat eine Gruppe das Leistungsabzeichen Gold/Blau, eine Gruppe die vorletzte Stufe Gold/Grün und eine Gruppe Vorstufe Gold. Das Ablegen der Leistungsprüfung ist für die Verantwortlichen der Beweis, dass Mensch und Material gut zusammenharmonieren.

 

Eine wesentliche Verbesserung des Brandschutzes wurde durch die zentrale Wasserversorgung erreicht. Jahrelang wurde die schlechte Löschwassersituation im Außenbereich bemängelt. Für Hörpolz wurde von der Feuerwehr schon lange ein Löschweiher beim Anwesen Schönauer gefordert. Nun hat jedes Haus und jeder Hof in der Nähe einen Hydranten. Bei Bränden in Woringen wurde ohne Pumpen gelöscht.

 

Die Alarmierung erfuhr durch die Installierung der Sirene auf dem Schuldach 1969 und der 1979 damit verbundenen Funkalarmierung eine deutliche Verkürzung.

 

Durch die 1960 eingeführte Feuerschutzabgabe konnten mehr notwendige Ausrüstungsgegenstände angeschafft werden. So haben alle aktiven Wehrmänner ab 1962 nach und nach Schutzanzüge erhalten. Vor der Eingemeindung nach Grönenbach 1972 wurden in allen Außenbereichen C-Schläuche je nach Entfernung zum Hydranten deponiert. Auch sonst notwendiges Gerät, wie z.B. Schläuche, Strahlrohre usw. wurde vor der Eingemeindung angeschafft, damit die Gemeindekasse nicht all zu voll nach Grönenbach übergeben werden musste. 

 

Die Jahre 1980-1989

 

Die Feststellung technischer Mängel am Anhänger (TSA) bei der Inspektion 1986 machte die Anschaffung eines neuen Fahrzeuges notwendig. Am 10.02.1989 konnten wir in Gingen a.d. Brenz bei der Fa. Ziegler unser neues Tragkraftspritzenfahrzeug abholen, welches am 30.07.1989 feierlich geweiht und von Bürgermeister Fleschhut an die Feuerwehr offiziell übergeben wurde. Das Fahrzeug ist mit Funkt ausgestattet.

  

Die Jahre 1990-2000

 

Ein Jahr später am 16.03.1990 wurde mit dem Bau des neuen Feuerwehrhauses begonnen. In mehr als 1300 freiwilligen Arbeitsstunden der Wehrmänner konnte ein schmuckes Gerätehaus mit Schulungsraum erstellt werden.

 

35 gut ausgebildete Feuerwehrmänner sind zum 100jährigen Jubiläum mit zeitgemäßer Ausrüstung ausgestattet und durch regelmäßige Übungen in der Lage, den Bürgern von Zell und Umgebung wirksame Hilfe in Notsituationen zu bringen.

 

(Quelle: Festschrift 1991, 125 Jahre Schützengesellschaft Zell, 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Zell, Seite 41-49)

Vereinsleben

 

Ab 1931 sind alle Ereignisse aus dem Vereinsleben in einem Protokollbuch niedergeschrieben. Im Jahre 1931 wurde von der Fa. Auer in München zum Preis von DM 580,- eine neue Vereinsfahne angeschafft. Diese wurde am 26. April unter großer Beteiligung der Zeller Bevölkerung geweiht.

 

 ung bi ulösung durch die damalige Regierung 1937 beteiligte sich der Verein mit Fahne bei allen kirchlichen und weltlichen Ereignissen im Dorf. Auch nach der Neugründung am 13.10.1946 wurde die Feuerwehr wieder zum belebenden Bestandteil in der Dorfgemeinschaft. Zum ersten Faschingsball 1948 wurde mit einer Haussammlung Weizen und Gerste gesammelt um Bier brauen zu können. Im Jahre 1955 wurde von Mitgliedern der Wehr ein lustiges Theaterstück aufgeführt. In den sechziger Jahren wird von regelmäßigen Ausflügen berichtet die es "in sich hatten". Mit Altglas und Alteisensammlungen wird ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet und gleichzeitig die Vereinskasse gestärkt. 1981 wurde von der Feuerwehr das nun schon traditionelle Neujahrskegeln aus der Taufe gehoben. Ebenfalls seit 1981 wird in der jährlichen Mostprämierung festgestellt, wer in Zell den besten Most trinkt.

 

Mit großen und kleinen Veranstaltungen, Feiern und Festen sorgt der Verein für gute Stimmung in der Feuerwehr und erfüllt damit den Vereinszweck laut Satzung: Die Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr in ihrer Aufgabe, das Leben des Menschen und dessen Hab und Gut zu schützen.

 

(Quelle: Festschrift 1991, 125 Jahre Schützengesellschaft Zell, 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Zell, Seite 51)


Kommandanten

 

I.

1890 - 1907

Josef Hörberg

II.

1907 - 1934

Jakob Schuhmacher

III.

1934 - 1945

Fridolin Sepp

IV.

1945 - 1946

Paul Mendler

V.

1946 - 1951

Josef Epp

VI.

1951 - 1962

Max Jörg

VII.

1962 - 1980

Erich Engel

VIII.

1981 - 1995

Georg Rauch

IX.

1995 - 2006

Karl Lehmann

X.

2007 -

Jürgen Wegmann